Bonifatius

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bonifatius (Wynfrith, um 672 - 754, "Apostel der Deutschen", hl.). Der angelsächsische Benediktinermönch Wynfrith empfing mit etwa 30 Jahren die Priesterweihe und ging 715 als Missionar mit einigen Gefährten nach Friesland. Nachdem dieser erste Missionsvorstoß nach kurzer Zeit erfolglos abgebrochen werden musste, kehrte Wynfrith in sein Kloster Nursling zurück, wo er 717 zum Abt bestellt wurde. 718 verließ er endgültig die Heimat, um sich ganz dem Bekehrungswerk zu widmen. Auf einer Romreise erhielt er 719 von Papst ®Gregor II. den offiziellen Auftrag zur Heidenmission im Gebiet des späteren Deutschland. Er nahm den Namen des röm. Heiligen Bonifatius an, dessen Fest am Vortag gefeiert worden war, und wurde durch einen besonderen Treueid direkt dem Papst unterstellt. Er missionierte unter Willibrord im fränkischen Friesland, später bekehrte er mit großem Erfolg selbständig Hessen, Thüringer und Bayern. 723 ließ er unter dem Schutz fränkischer Truppen die Donareiche bei Fritzlar - eines der höchsten germanischen Heiligtümer - fällen, um die Machtlosigkeit des Gottes Donar (Thor) zu beweisen. Aus dem Holz der Eiche baute er eine kleine, dem hl. Petrus geweihte Kapelle, aus der schon bald darau das Benediktinerkloster ® Büraburg hervorging. Ferner gründete er die Klöster von ®Amöneburg, Bischofsheim (Tauberbischofsheim) und ®Fulda, sowie die Städte Erfurt, Würzburg und Eichstätt; er definierte die Grenzen der Bistümer Salzburg, Freising, Passau und Regensburg und gliederte die ostfränkische Reichshälfte in die Erzbistümer Köln, Trier und Mainz. Sein Ziel dabei war, den Einfluss der Wanderbischöfe ohne festen Amtsbezirk zugunsten einer streng durchorganisierten Diözesanverfassung zurückzudrängen. Für seinen rastlosen Einsatz wurde Bonifatius 722 in Rom von Gregor II. zum Bischof geweiht und setzte die Hessenmission mit einem Schutzbrief Karl Martells fort. 732 erhob ihn Gregor III. zum Erzbischof, apostolischen Legaten und Primas von ganz Austrasien. Als Metropolitansitz bekam er 747 das Bistum Mainz zugewiesen. In der Folgezeit hatte er gegen den wachsenden Widerstand des heimischen Klerus anzukämpfen, der gegen den reformfreudigen Fremdländer intrigierte. 754 zog sich Bonifatius von allen Ämtern zurück, machte sich an die Vollendung seines Missionswerkes in Friesland und erlitt dabei im gleichen Jahr bei Dokkum mit vielen Gefährten den Märtyrertod. Sein Leichnam wurde als kostbare Reliquie über Utrecht und Mainz nach Fulda, seiner Lieblingsgründung überführt, und dort in der Krypta der Klosterkirche beigesetzt (s. Lullus).