Hagiographie

Aus Mittelalter-Lexikon
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Hagiographie, Hagiologie (v. grch. hágios = heilig und gráphein = schreiben bzw. logion = Erzählung). Sammelbegriff für Schriften, die sich mit Heiligenleben und -kult befassen (Viten, Mirakelsammlungen, Translationsberichte, Legenden). - Die ma. Lebensbeschreibungen christl. Heiliger oder herausragender Glaubensvertreter zeichnen sich durch erbaulichen, unkritischen und kirchlich-tendenziösen Charakter aus. Die Texte haben nur geringen historischen Gehalt, sie lassen jedoch Schlüsse auf die Lebensumstände und Sprache der Abfassungszeit zu. Nach dem Vorbild der im 2. Jh. entstandenen Märtyrerakten (Acta Martyrorum) kam es im MA. zu einer Blüte der mlat. hagiographischen Schriften. Neben die Berichte von Leben und Martyrium der Heiligen traten solche von Erhebung der Gebeine, von deren Überführung in eine Kirche und von den durch sie bewirkten Wundern. Die Texte sollten dazu anregen, den gottgefälligen Vorbildern nachzueifern und gegf. Propaganda für einen Gnadenort liefern. Sie wurden am Jahrtag eines Heiligen als Teil der Liturgie verlesen und den Mönchen zur Mahlzeit im Refektorium vorgetragen. (Beispiele: das im 9. Jh. entstandene ahd. ®"Georgslied"; das fmhd. ®"Annolied" vom Ende des 11. Jh.)
Im 12. Jh. entfaltete sich die mhd. Legenden-Dichtung, in der nichteinmal mehr rudimentäre biographische Fakten, sondern nur noch panegyrische und mirakulöse Fiktion vermittelt wurde. Bald kam neben der Versform auch Prosa auf.
(s. Legenden, Mirakelbücher, Translationsberichte, Heiligenviten, Wunder)