Handelsgüter

Aus Mittelalter-Lexikon
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Handelsgüter. Fernhandel wurde im FMA. und HMA. nur mit Luxusgütern und mit Gütern des kultischen Bedarfs der Kirche getrieben. Etwa vom 13. Jh. an wurden steigende Mengen von Waren des täglichen Bedarfs über große Entfernungen gehandelt und nicht zuletzt auf Messen gehandelt.
Zu den hochwertigen Handelsgütern zählten: Edelmetalle, ®Schmuck (Edelsteine, Perlen, Elfenbein, Bernstein, Korallen), kostbare Glasgefäße, ®Seide (aus Indien und China), Brokat, ®Pelze, Südfrüchte (Feigen, Datteln, Rosinen, Paradieskörner, Narde, Granatäpfel, Zitronen, Pomeranzen, Mandeln, Reis), ®Drogen (z.B. Moschus, Kampfer, Myrrhe, Rosenöl, Opium, Cannabis, Schwefel), Harze (z.B. Balsam), ®Gewürze (Pfeffer, Nelken, Zimt, Muskat, Safran u.a.), Olivenöl, Honig, Zucker, Färbe- und Beizstoffe (wie Purpur, Alaun), Waffen, Rüstungen, Pferde, Jagdfalken und ®Sklaven (Mädchen, Knaben, Eunuchen).
Für den christl. Kult wurden darüberhinaus eingeführt: Messwein, Salböl (Chrisam), ®Weihrauch, Bienenwachs (zur Kerzenherstellung).
Gewöhnliche, alltägliche Handelsgüter waren: Salz, Wein, Getreide, Bier, Holz, Eisen, Stahl, Kupfer, Blei, Leder, Pergament, Felle, Wolle, Baumwolle, Hanf, Flachs, Stoffe (Leinen-, Woll-. Seiden-, Barhent-, Lodenstoffe), Fisch (vor allem ®Hering, Lachs, Stockfisch), Fleisch, Tran, Talg, Butter, Käse, Holzkohle, Pech, Teer, Pottasche, Fischbein, diverse Fertigwaren (Schuhe, Werkzeuge, Töpferwaren u.ä.) und Schlachtvieh (s. Ochsenhandel).
In Haithabu haben Archäologen folgende wikingerzeitliche Importgüter erfasst: Walross-Elfenbein vom Nordmeer, Speck- und Wetzstein aus Norwegen, Eisenbarren aus Schweden, Glas und Keramik vom Rhein, Mühlsteine aus der Eifel, Tannenholzfässer vom Oberrhein, Bergkristall- und Karneolperlen vom Schwarzen Meer, Quecksilber aus Spanien, Holzteer aus dem waldreichen Ostseeraum, Schmuck aus Irland, Gotland und den baltischen Ländern (nach H. Elsner).
Das wichtigste Handelsgut der aufblühenden Hansestädte im Ostseeraum - Lübeck (1158/59), Riga (1201), Rostock (1218), Wismar (1228), Stralsund), Danzig (1238) - war das ®Bier, das über den Seehandel auf den niederländisch-flandrischen, englischen und skandinavischen Markt kam. (Speziell für den Seehandel wurden nahrhafte wie haltbare gehopfte "Schiffsbiere" gebraut.) - Auch in Hamburg und Bremen entstanden gehopfte Biere (wegen des verwendeten dunklen Malzes "Rotbier" genannt), die in den Export gingen.
(s. Fernhändler, Verpackung, Warenschau)