Hautkrankheiten

Aus Mittelalter-Lexikon
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Hautkrankheiten (Ausschlag, mhd. uzslag; grch. exanthema). Nach der ®Säftelehre konnte der Körper schädliche Stoffe über die Oberfläche ausscheiden, wo sie – Blüten gleich – rasch als Effloreszenzen aufgehen, "ausschlagen" (uzslahen). Ma. Beschreibungen und Benennungen von Hautkrankheiten folgen der Symptomatologie, wodurch nur selten eine eindeutige Zuordnung zu Krankheitsursachen möglich ist. Als Ausschlag bezeichnete man so unterschiedliche Hautaffektionen wie Blattern (mhd. blatere), Krätze (kretze), Schorf (schorf, schorpf), Grind (grint), Flechten usf. (Flechte, mhd. vlehte = Flechtwerk, Geflochtenes; volkstüml. Bezeichnung für verschiedene chron. Hautkrankheiten; der lat. Ausdruck lupus = Wolf wurde seit dem 13. Jh. für „fressende“, d. h. mit Gewebszerstörung und Narbenbildung einhergehende Hautkrankheiten verwendet.)
Hildegard von Bingen beschreibt in ihren Schriften zur Heilkunde verschiedene dermatologische Krankheiten und benennt sie mit lat. und dt. Namen. Als Urheber der ®Krätze (mhd. krecz, schebikeyt) erkennt sie ein kleines Tierchen (die Krätzmilbe). An Heilmitteln empfiehlt sie diverse Tränke, Salben und Waschungen. Herrad von Hohenberg (H. v. Landsberg) gibt in ihrem "Hortus deliciarum" das Bild eines leopardartig gefleckten Menschen wieder, in dem ein an ®Lepra Erkrankter (ein Aussätziger) zu erkennen ist. Wie die gangränöse Form des Mutterkornbrandes (s. Brotseuche) wurde Hautmilzbrand (s. Milzbrand) wegen des schwarzen Schorfes und wegen der brennenden Schmerzen als „ignis sacer“ bezeichnet.
Auf grch. und pers. Überlieferungen baut die arabische Dermatologie auf, zu deren Hauptvertretern Rhazes, Avicenna und Avenzoar gehören. Sie erwarben sich durch direkte Beobachtung Kenntnisse über Ausschlag erzeugende Krankheiten (Dermatosen), auch solche mit Allgemeinerkrankungen wie Windpocken und Pocken, die heute nicht mehr den Hautkrankheiten zugerechnet werden. Als Heilmittel führten sie Schwefel und Quecksilber ein, als Verbandmaterial bevorzugten sie Baumwolle. Die Tätigkeit der Übersetzer brachte das von den Persern und Arabern tradierte und neuerworbene Wissen nach Europa.
Nach ®Constantinus Africanus sind Hautkrankheiten ein Zeichen dafür, dass sich der Körper übler Säfte durch Absonderung durch die Haut enrledige.
In der Volksmedizin war neben der innerlichen Anwendung von Heilkräuter-Zubereitungen, die darauf abzielten, üble Säfte, „das böse Blut“ abzuleiten, Aderlässe, Schwitzkuren und eine Vielzahl von äußerlichen Medikationen und vor allem von magischen Praktiken üblich. Für die Letzteren einige Beispiele: Bei Krätze ließ sich der Patient von einem Hund belecken, auf den die Krankheit dadurch übertragen wurde, während sie bei dem Kranken abheilte; auch sollten Einreibungen mit Löschwasser aus einer Schmiede helfen. – Muttermale sollten vergehen, wenn sie mit Menstrualblut oder mit einer Placenta bestrichen wurden. – Gegen Warzen half der Schleim einer mit Salz bestreuten schwarzen Schnecke. Als wirksam galt auch das Auflegen einer kreuzweise durchschnittenen Zwiebel, die man danach hinter sich in den Abtritt warf. – Mittesser (Comedones) wurden für Würmer gehalten, die von der menschlichen Körpersubstanz zehrten; befallene Kinder wusch man mit Zaunrübenwurzelsud, worauf die Würmer ihren Kopf aus der Porenöffnung streckten und mit einem Messer abgeschabt werden konnten.
(s. Grind, Hautrötung, Rotlauf, Talg, Talgdrüse)