Insignien

Aus Mittelalter-Lexikon
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Insignien (v. lat. insigne = kennzeichen, Abzeichen, Ehrenzeichen; Wappen). Symbolträchtige Zeichen der Macht und Würde einer Person, eines Standes oder Amtes. Reichsinsignien (heute verwahrt in der Weltlichen Schatzkammer Wien) waren:
Die oktogonale Reichskrone, wahrscheinlich um 960 nach byzantin. Vorbild entstanden, besteht aus acht ungleich hohen, durch Scharniere verbundenen rundbogigen Platten; von den Seitenplatten hingen ursprünglich je drei Pendilienkettchen herunter; die Stirnplatte bekrönt ein Kreuz, von dem sich ein Bügel zur Nackenplatte spannt. Kreuz und Bügel sind Zutaten aus dem 1. Drittel des 11. Jh. Dem Bauplan und der jeweiligen Anzahl von Steinen und Perlen liegt ein im Zahlensymbolismus begründetes Schema zugrunde, bei dem die Zahl Zwälf dominiert. Größe und Form machen einen Stoffeinsatz erforderlich, um die 7 kg. Schwere Krone auf dem Kopf tragen zu können.
Das für Heinrich III. im 11. Jh. angefertigte Reichsschwert oder (seit dem früher 13. Jh. so genannte) Mauritiusschwert mit kostbarer Schmuckscheide. Es ist 1,10 m lang und trägt auf der Parierstange die Inschrift: CRISTVS VINCIT.CRISTVS REIGNAT.CHRISTVS INPERAT. Das Schwert wurde bei feierlichen Anlässen mit der Spitze nach oben dem Herrscher vorangetragen. Es symbolisiert die weltliche Macht und Gewalt des Herrschers.
Das Zeremonienschwert, vor 1220 in Palermo für die Krönungsfeier Friedrichs II. gefertigt, mit Schmuckscheide. Klinge aus Stahl, Griff, Parierstange und Scheide mit Goldplatten verkleidet, die mit Email und Filigran, die Scheide zusätzlich mit Perlen und Rubinen geschmückt sind. Mit dem Zeremonienschwert wurde den Nürnberger Gesandten, welche die Reichskleinodien zur Krönung brachten, der Ritterschlag erteilt.
Der Reichsapfel, eine mit Goldblech verkleidete Kugel aus einer festen Harzmasse, umspannt von juwelenbesetzten, sich überkreuzenden Bändern und bekrönt von einem mit Goldfiligran, Perlen und Edelsteinen geschmückten Kreuz, etwa um 1200 entstanden. Seit Karl d. Gr. galt der Reichsapfel – nach antikem Vorbild – als Sinnbild universaler kaiserlicher Herrschaft. Ältere Reichsäpfel als jener, der in der Weltlichen Schatzkammer Wien verwahrt wird, sind nicht erhalten.
Das Reichszepter, bestehend aus dem kantigen, von zwei Wülsten unterbrochenen Schaft und bekrönt von einem Gebinde aus sechs stilisierten Eichenblättern, das eine Eichel umschließt. Material ist vergoldetes Silber. Über ein Zepter bei den Reichskleinodien war zur Zeit der sächsischen, salischen oder staufischen Herrscher nichts bekannt. Das zu den Wiener Kleinodien gehörende Zepter ist eine 1914/18 entstandene Nachbildung des in der ersten Hälfte des 14. Jh. entstandenen Originals. Erste Erwähnung fand es 1350 in einem Inventar, das anlässlich der Übergabe der Reichskleinodien an Karl IV. erstellt wurde.
Der Inhaber der Reichsinsignien galt als der rechtmäßige Herrscher. Die Reichsinsignien wurden zusammen mit dem ®Kronschatz verwahrt.
Insignien des Ritterstandes waren Schwert, Sporen, Helm und Schild. Stab oder Zepter trugen Richter, Herolde, Universitätsrektoren und -dekane. Stadtoberhäupter, Zunftmeister und Universitätsrektoren waren durch eine Halskette als Amtszeichen ausgezeichnet.
(geistliche Insignien: s. Abt, Amtstracht, Bischof, Kardinal, Papstwahl, Spiritualien und Temporalien)