Königswahl

Aus Mittelalter-Lexikon
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Königswahl (mlat. electio). Das Wahlsystem lässt sich in verschiedene Perioden gliedern: Zunächst herrschte das Geblütsrecht mit der Möglichkeit der Designation des Nachfolgers; dabei blieb die Wahl auf die königliche Dynastie beschränkt, der Nachfolger wurde oft schon zu Lebzeiten des Monarchen eingesetzt. Die Wahlhandlung bestand in diesem Fall lediglich in der Anerkennung (kur, kure) des neuen Königs. Danach setzte sich, nicht zuletzt durch den Einfluss des Papsttums, das freie Wahlrecht (wal, wale) nach dem Mehrheitsprinzip durch, was gelegentlich zur Wahl von Gegenkönigen führte (1077, 1081). Unter den Königen des Hauses Hohenstaufen (1152 - 1250) kam es wieder zur Bevorzugung des dynastischen Gedankens, ehe sich das Wahlrecht der sieben ®Kurfürsten endgültig durchsetzte. Im Schwabenspiegel (um 1275) ist deren alleinige Kompetenz sowie das Majoritätsprinzip festgehalten. In der ®Goldenen Bulle von 1356 steht unter Cap. II. De electione Romanorum regis: "Nachdem aber die mehrgenannten Kurfürsten oder ihre Gesandten in die Stadt Frankfurt eingezogen sind, sollen sie sogleich bei Anbruch des folgenden Tages in der Kirche des heiligen Apostels Bartholomäus daselbst in vollständiger Anwesenheit die Messe de Sanctu Spiritu singen lassen, damit der Heilige Geist ihre Herzen erleuchte und ihren Verstand mit dem Licht seiner Kraft erfülle, auf dass es ihnen gelinge, mit seinem Beistand einen gerechten, redlichen und tüchtigen Mann zum römischen König und künftigen Kaiser zu wählen zum Heil der Christenheit".
(s. Insignien, Krönung, Vollbort)