Wale

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wale, Walfang (mhd. wal = Walfisch; lat. balaena; wiss. Cetacea). Artenreiche Ordnung der Säugetiere, die ausschließlich im Meer und zumeist gruppenweise zusammenleben („Walschulen“). Die größten Arten können bis zu 35 m lang und 200 to schwer werden. Bejagd wurden hauptsächlich Glatt- und Grönlandwale. Die Tiere müssen zum Luftholen auftauchen, und werden bei dieser Gelegenheit angegriffen; zur Kontakthaltung stoßen die männlichen Wale Rufe aus („Walgesang“); der Nachwuchs wird nach einer Tragezeit von 9 – 16 Monaten geboren und bis über ein Jahr von der Mutter oder von anderen Kühen gesäugt.
Auf Grönland gefundene Reste von Walknochen belegen, dass die Eskimos schon in prähistorischer Zeit Walfang betrieben haben. Vom europ. Festland aus wurden die Tiere seit ca. 900 u.Z. wegen der enormen Fleisch- und Speckausbeute, wegen des als Brennstoff begehrten Produkts "Waltran", sowie wegen der Knochen und der Barten („Fischbein“) bejagt. Als besonders erfolgreiche Waljäger waren die Bewohner Lapplands, die Wikinger und Normannen sowie die Basken bekannt, welch Letztere ab dem 12. Jh. von ihren ursprünglichen Fanggründen im Golf von Biskaya bis in die arktischen Gewässer kamen. Im Verlauf des MA. hat der Walfang wegen des großen Handelsgewinns immer mehr zugenommen, bis ganze Fangflotten zur Jagd ausliefen.
In Küstennähe gelang es den Jägern oft, Wale ins Flachwasser zu treiben und dort zu schlachten. Auf offener See kjagde man von Ruderbooten aus, und benutzte dabei mit Widerhaken versehene Harpunen als Jagdwaffen; diese dienten dazu, das Tier am Fangboot „festzumachen“, um es zu ermüden und dann von dort aus mit der Stoßlanze zu töten. Wo ein schwerverletzter Wal in die Tiefe des Meeres entkommen war, brauchte man nur darauf zu warten, dass der Kadaver aufgrund seines hohen Fettgehalts wieder aufschwamm und geborgen werden konnte. Insgesamt war die Waljagd ein risikoreiches Unternehmen, bei dem es viele Verletzte und auch Tote gab.
(s. Ambra, Bal(l)inger, Fisch, Fischbein, Fischer, Tran)