Heinrich IV.

Aus Mittelalter-Lexikon
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Heinrich IV. auf einem Thron sitzend mit Zepter und Reichsapfel
Heinrich IV. (Darstellung in der Chronik des Ekkehard von Aura um 1112/1114)

Heinrich IV. (1050–1106). Trat als Sechsjähriger die Nachfolge seines Vaters, Heinrichs III. an. Die Regentschaft führte seine Mutter, Agnes von Poitou, 1062 kurzfristig Erzbischof Anno II. von Köln, der den Thronfolger in seine Gewalt gebracht hatte, danach bis 1065 Bischof Adalbert von Hamburg-Bremen. Bei dem Versuch, die Machtstellung seines Vaters wiederzuerlangen, stieß Heinrich zunächst auf den Widerstand der aufrührerischen Sachsen, den er erst 1075 in der Schlacht bei Homburg an der Unstrut brechen konnte. Der Streit um die Laieninvestitur führte zum Zusammenstoß mit Papst Gregor VII. (s. Investiturstreit). Das vom Papst verhängte Anathema (Februar 1076) entband Heinrichs Untertanen von der Treuepflicht, worauf die Großen des Reichs Heinrich auf dem Fürstentag zu Tribur (Oktober 1076) eine Frist von einem Jahr setzten, binnen derer er sich mit dem Papst auszusöhnen hätte. Im Januar 1077 zog Heinrich als Büßer vor die Burg Canossa, in die sich Gregor zurückgezogen hatte, und zwang durch einen einzigartigen Demutsbeweis den Papst zur Aufhebung des Banns. Als auf dem darauffolgenden Fürstentag zu Forchheim Heinrich trotz der Lösung vom Bann für abgesetzt und Rudolf von Schwaben zum Gegenkönig erklärt wurde, kam es zu bürgerkriegsähnlichen Wirren, die erst durch Heinrichs Sieg bei Hohenmölsen (1080) und den Tod des Gegenkönigs beendet werden konnten. Bei der Erneuerung des Bannfluchs (Fastensynode in Rom, 1080) blieben – außer den Sachsen und wenigen Fürsten – die Städte, Bistümer, die süddeutschen Fürstentümer, der niedere Adel und die Ministerialen bei der Partei des Königs. Heinrich zog nach Italien (1081), eroberte nach langer Belagerung Rom (1084), ersetzte den geflohenen Gregor durch Clemens III., der auf der Kirchenversammlung von Brixen (1080) von deutschen, italienischen und burgundischen Bischöfen zum Papst ernannt worden war, und ließ sich von ihm am 31. Mai zum Kaiser krönen.
Heinrich war in erster Ehe mit Berta, Tochter des Grafen Otto von Savoyen, verheiratet und hatte mit ihr fünf Kinder. Berta starb am 27. Dezember 1087 und wurde im Dom zu Speyer beigesetzt. 1089 heiratete er Adelheid (Praxedis), eine russische Fürstentochter und Witwe des sächsischen Markgrafen Heinrich III. von Stade. Diese Ehe blieb kinderlos und wurde 1095 geschieden. Adelheid zog sich in ein Kloster im heimatlichen Kiew zurück.
Während Heinrichs zweitem Italienzugs (1090–1097) erhob sich sein ältester Sohn Konrad, nachdem er in Mailand zum lombardischen König gekrönt worden war (1091). Heinrich ließ ihn 1098 ächten und ernannte seinen zweiten Sohn Heinrich (V.) zum Nachfolger. Auch dieser erhob sich gegen den Vater, nahm ihn gefangen und zwang ihn auf dem Fürstentag zu Ingelheim (1106) zur Abdankung. Heinrich konnte entkommen, starb jedoch am 7. August 1106 in Lüttich, bevor er mit Hilfe niederlothrinhischer Anhänger und deutscher Städte zum Gegenschlag ausholen konnte. 1111 wurde er nach Lösung des Kirchenbanns im Dom zu Speyer beigesetzt.
Heinrich erschien seinen Zeitgenossen als grausam, skrupellos und machtgierig in seinem Bestreben, die Macht der Zentralgewalt gegen Territorialisierungsbestrebungen zu erhalten. Er bleibt auch als Beschützer der Juden (s. Kammerknechtschaft) und als Bauherr (Burgen in Sachsen und Thüringen, Dom zu Speyer) in Erinnerung.

Siehe auch: Bruno von Magdeburg, Investiturstreit