Ordensregeln

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ordensregeln. Angehörige der christl. Mönchs- und Nonnenorden lebten nach Regeln, die von anerkannten Autoritäten – meist dem Ordensgründer – aufgestellt und von der röm. Kurie bestätigt (approbiert) worden waren. Die Regeln basierten auf den monastischen Kardinaltugenden von Armut, Keuschheit und Gehorsam (den "drei evangelischen Räten") und auf Ortsbeständigkeit in einer bestimmten Klosterfamilie (anstelle vagabundiererischen Scheinmönchtum); zusätzliche, an Zeit und Umstände angepasste Ausführungsbestimmungen (®consuetudines) befassten sich mit dem Klosterleben der Einzelnen und der Organisation der Klostergemeinschaft. Grundlegend für das abendländische Klosterwesen war die Regel des Benedikt von Nursia (6. Jh., s. Benediktiner, Benediktregel).
Gegen zunehmende Vernachlässigung der Ordensregeln erhob sich eine ganze Reihe von Erneuerern und Klosterreformern. Deren erster und bedeutendster war ®Benedikt von Aniane (9. Jh), der sich die Durchsetzung der Regel des Benedikt v. Nursia als im Reich der Karolinger ausschließlich gültiger zur Aufgabe gemacht hatte. Diese Benediktregel wurde ergänzt durch consuetudines, in denen sich die Klöster ohne Anspruch auf Übereinstimmung Satzungen für die Bereiche gaben, die von Benedikt nicht oder ungenügend behandelt worden waren.
Auf die ®Augustinusregel beriefen sich die Ordensgründer der Dominikaner und Augustiner-Eremiten. In der Franzikus-Regel der Bettelorden traten Ortsbeständigkeit (stabilitas loci) und klösterliche Arbeit gegenüber dem Ideal der Unbehaustheit und des Predigertums zurück. Das IV. Lateran-Konzil (1215; s. Konzilien des MA.) bestätigte neben der letztgenannten auch die Regel der Klara v. Assisi, die auf den Regeln des Benediktus und des Franziskus aufgebaut war. Weitere Ordensregeln sollten gemäß dem IV. Lateranum nicht mehr genehmigt werden; neue Orden mussten eine der bereits bestehenden Regeln annehmen.
(Klostergemeinschaft, Klosterleben, Klosterreformen, Mönchtum, Orden, Religiosen)