Begnadigung

Aus Mittelalter-Lexikon
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Begnadigung (mhd. begnaden = mit Gnade beschenken, begnadigen). Das ma. Recht kannte mehrere Formen der Abmilderung oder Aufhebung eines gesprochenen Urteils. Sofern das Gericht nicht selbst „nach Gnaden richtete“, Gnade vor Recht ergehen ließ, konnte die Fürsprache einer hochgestellten Persönlichkeit beim Landesherren einen Gadenerweis erwirken, z.B. indem eine verwirkte Todesstrafe in Blendung, Vermönchung oder eine Strafpilgerschaft „abgemildert“ wurde („amor iudicium vinxit“ = Gnade bezwingt das Gerichtsurteil). Förderliche Umstände waren ein potenter Fürsprecher, Geständigkeit und Bußbereitschaft des/der Verurteilten, Handeln aus Notwehr, ohne Vorsatz, im Affekt oder Jugendlichkeit des Täters. Selbst ein zum Tode Verurteilter konnte loskommen, wenn er zum Ehepartner auserbeten wurde ("Abbitten"). Begnadigung wurde auch durch einen Abt erreicht, wenn er den Delinquenten in sein Kloster aufzunehmen bereit war. Als Gnadenerweis ist auch die Ablösung einer peinlichen Strafe durch eine ®Freiheitsstrafe , eine ®Ehrenstrafe oder durch eine ®Strafe an Haut und Haar zu verstehen, sowie die schnelle Tötung vor Hinrichtungen besonders grausamer Art, wie z.B. Rädern (s. Rad) oder Verbrennen (s. Scheiterhaufen).
(s. Baumfrevel, Genugtuung, Gnade, Henkerszehnt (Zehnter Mann), Klosterhaft, Mantelschutz, Strafpilgerfahrten)