Friedrich II.

Aus Mittelalter-Lexikon
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Friedrich II. (Darstellung aus dem 13. Jahrhundert)

Friedrich II. (Friedrich Roger; 26. Dezember 1194 – 13. Dezember 1250). Sohn Kaiser Heinrichs VI. und Konstanzes, der Erbprinzessin von Sizilien. Getauft im Namen seiner Großväter: des Staufers Friedrich I. Barbarossa und des normannischen Königs Roger II. von Sizilien. Weihnachten 1196 von den dt. Fürsten in Frankfurt zum König gewählt, Pfingsten 1198 in Palermo zum König von Sizilien gekrönt. Mit vier Jahren war Friedrich verwaist und der Vormundschaft von Papst Innozenz III. unterstellt, während die Regentschaft im sizilianischen Königreich von den deutschen und sizilianischen Räten seines Vaters ausgeübt wurde. Friedrich wuchs in Palermo auf und hat Sizilien und dessen aus lat., grch., jüd. und arab. Elementen gewachsene Kultur stets als seine eigentliche Heimat empfunden. Er wurde zu einem der gelehrtesten Männer seiner Zeit, ein universeller und freidenkerischer Geist, als Politiker so energisch wie skrupellos.

Die deutschen Fürsten fühlten sich nach dem Tode Heinrichs VI. (1197) nicht mehr an ihre Wahlentscheidung von 1196 gebunden, Friedrich musste seinen Thronanspruch gegen Kaiser Otto IV. und den welfentreuen Teil der dt. Fürsten durchsetzen. Nachdem ihn die staufische Partei der Fürsten nicht zuletzt auf nachdrücklichen Wunsch Papst Innozenz' III. zum dt. König gewählt hatte (1212), reiste Friedrich nach Deutschland und wurde in Mainz gekrönt – vorläufig, da die Krönungsinsignien noch in der Gewalt Ottos waren. Durch die Niederlage Ottos IV. gegen die Franzosen in der Schlacht bei Bouvines (1214) wurde der Thronstreit beendet. Otto zog sich in seine Erblande zurück, Friedrich ließ sich zu Aachen endgültig als römischer König krönen (1215). Die Kaiserkrönung in Rom (22. November 1220) erlangte er nur durch weitgehende Zugeständnisse an die Kurie (Erweiterung des Kirchenstaates, Verzicht auf Einflussnahme bei der Bischofswahl, Befreiung von Kirche und Klerus im Reich von der weltlichen Gerichtsbarkeit, Verbindung der Reichsacht mit dem Kirchenbann, Gelöbnis der Kreuzzugsteilnahme).

Die Sizilien- und Italienpolitik Friedrichs stieß auf schärfste Ablehnung der Päpste (Honorius III., Gregor IX. und Innozenz IV.), die ihren Kirchenstaat eingeschnürt sahen. Die Auseinandersetzung zog sich über die gesamte Regierungszeit Friedrichs hin und wurde mit kriegerischen Mitteln, mit Mitteln des kirchlichen Strafrechts und mit wechselseitiger Gräuelpropaganda geführt. 1227 wurde Friedrich zum ersten Mal, 1239 erneut gebannt, 1245 erklärte ihn das Konzil von Lyon für abgesetzt.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Konstanze von Aragon (1222), der Mutter seines Sohnes Heinrich, heiratete Friedrich auf Betreiben von Papst Honorius III. Isabella von Brienne, die 13-jährige Erbin des Kreuzfahrerkönigreiches Jerusalem. Sie starb 1228 nach der Geburt Konrads (IV.).
Mit Verspätung und trotz des gegen ihn verhängten Kirchenbanns unternahm Friedrich 1228/29 einen (anlässlich seiner Krönung in Aachen gelobten) Kreuzzug, nahm Jerusalem, Bethlehem, Nazareth und die Meeresküste für die Christenheit wieder in Besitz, wobei er sich eher auf sein diplomatisches Geschick als auf militärische Auseinandersetzungen verließ, zumal er nur von den deutschen Kreuzzugsteilnehmern und den Deutschordensrittern unterstützt, von den papsttreuen Franzosen, dem lokalen Klerus sowie den Templern und den Johannitern dagegen gemieden wurde, und krönte sich selbst zum König des Königreiches Jerusalem (1229). Nach seiner Rückkehr schlug er Aufstände in Italien nieder und brachte nach der Niederwerfung der papstfreundlichen lombardischen Städte (Schlacht v. Cortenuova, 1237) fast ganz Italien unter seine Herrschaft.
In den Constitutiones Regni Siciliae (Konstitutionen von Melfi, auch „Liber Augustalis“) von 1231 hat er eine neue Rechtsordnung für das Königreich Sizilien erlassen; darin sind vor allem Verfahrens-, Straf- und Verwaltungsrecht geregelt, weniger Lehens- und Zivilrecht.
In Deutschland, das abseits seiner Interessensschwerpunkte lag, hatte Friedrich das Machtverhältnis zwischen Monarchie und kirchl. Fürsten schon 1220 zuungunsten der Krone verändert ("Confoederatio cum principibus ecclesiasticis"). Auch den weltlichen Fürsten kam er durch Gewährung von Regalien entgegen ("Statutum in favorem principum", 1231/1232). Als sich 1235 sein Sohn Heinrich, den er 1220 zum deutschen König hatte krönen lassen, wegen Friedrichs papstfreundlicher Begünstigung der Inquisition gegen ihn erhob, schickte er ihn in lebenslange Haft und setzte seinen zweiten Sohn Konrad IV. als König ein.

Friedrich war von einem starken Sexualtrieb besessen. Er war dreimal verheiratet und hatte mehrere Mätressen und uneheliche Kinder. Seine Frauen wohnten in Gemächern, die orientalischen Harems nachempfunden waren, und wurden von Eunuchen behütet. Seine drei Ehefrauen waren: Konstanze von Aragon, Königin von Sizilien (verh. 1208-1222), Isabella von Brienne, Königin von Jerusalem (verh. 1225-28) und Isabella Plantagenet, Prinzessin von England (verh. 1235-1241).

Porphyrsarkophag von Friedrich II. in der Kathedrale von Palermo

1232 wurde Manfred, natürlicher Sohn Friedrichs und der piemontesischen Markgräfin Bianca Lancia geboren. (Über einen weiteren außerehelichen Sohn s.u. Enzio.) 1235, sieben Jahre nach dem Tod Isabellas von Brienne, heiratete Friedrich Isabella Plantagenet von England. Trotz aller Anstrengungen war es Friedrich, als er 1250 auf seinem Schloss Fiorentino bei Foggia (Apulien) starb, nicht gelungen, die oppositionelle Macht des Papsttums und der mit diesem verbündeten antikaiserlichen Städteliga endgültig zu brechen. Sein Leichnam wurde in den Dom von Palermo überführt, sein Herz blieb in der Kathedralkirche von Foggia.

Friedrich II. mit Falken (Darstellung aus dem 14. Jahrhundert)

Wegen seiner überragenden universellen Bildung, seines diplomatischen Geschicks und seines persönlichen Mutes wurde Friedrich von seinen Zeitgenossen "Stupor mundi" (Staunen der Welt) genannt. Friedrich beherrschte neun Sprachen, darunter Griechisch und Arabisch. Er schätzte die islamische Literatur und veranlasste zahlreiche Übersetzungen ins Lateinische. Zudem war er von unersättlichem Wissensdurst besessen, tat sich als Förderer aller Wissenschaften hervor und gründete 1224 in Neapel die erste nichtklerikale Universität. Hier sollten vor allem Notare, Justitiare und Vikare ausgebildet werden, aus denen er seine Beamtenschaft aufbauen wollte. - In seinen Bauwerken spiegelt sich seine Faszination von mathematisch definierbaren Verhältnissen, von Symmetrien und Zahlensymbolik wider; als herausragendes Beispiel seiner Baugesinnung sei seine Burg (wohl fälschlich als "Jagdschloss" bezeichnet) Castel del Monte ("Castrum Sancta Maria de Monte") im süditalienischen Apulien genannt, erbaut in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Dieses reifste Werk staufischer Baukunst ist ohne Vorbild und vereint Elemente der Gotik mit solchen der normannischen, arabisch-islamischen und byzantinischen Baukunst. Die Architektur ist von geometrischen Symbolismen durchdrungen, wobei das Achteck von vorrangiger Bedeutung ist. - Friedrichs Interesse galt neben Theologie, Philosophie, Mathematik, Astronomie, Physik und Alchemie besonders der Zoologie, auf deren Gebiet er sich mit seiner Schrift „De arte venandi cum avibus“ als Wissenschaftler ausweist (seine Devise: manifestare ea quae sunt sicut sunt). Eigene Beobachtungen und Erfahrungen auf dem Gebiet der Falknerei, anatomische Erkenntnisse und solche zu Vogelarten, Vogelflug und Vogelwanderungen, Jagdanweisungen, Zucht- und Dressuranleitungen finden sich darin neben dem Wissen, das er aus muslimischen Quellen geschöpft hatte (z. B. über den Gebrauch der Falkenhaube). Friedrichs Falkenbuch ist die umfassendste und wissenschaftlich best fundierte mittelalterliche Zoologie der Vögel. Grundlegenden Anteil an der Abfassung des Werkes hatte Theodor von Antiochien, der für Friedrich naturkundliche Werke aus dem Griechischen und Arabischen ins Lateinische übersetzte.

(s. Konrad IV., Leonardo Pisano (Fibonacci), Michael Scotus, Petrus de Vinea)