Raubritter

Aus Mittelalter-Lexikon
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Raubritter (neuzeitl.; mhd. roubaere, roubolt, vritbrecher; mlat. raptores, predones, latrones, spoliatores). Verarmte Angehörige des Ritterstandes, Proletarier der Oberschicht, die durch Straßenräuberei, Zwangsgeleit, räuberische Erhebung von Brücken- und Wegezöllen sowie durch Lösegelderpressung und durch als Fehden getarnte Beutezüge ("kleine Reiterei") ihren Unterhalt bestritten. In Armut waren sie gefallen, als während des 14. und 15. Jh. Kriegswesen und Wirtschaft sich revolutionär umbildeten. So wurden die Ritterheere nach dem Aufkommen der Söldnerheere überflüssig, wurde der Naturalienhandel durch die Geldwirtschft ersetzt und die aufstrebenden Städte zogen nicht nur Landleute, sondern auch den Handel an sich, da sie bei gleichbleibendem Bedarf solide Bezahlung boten. Um weiterhin standesgemäß leben zu können, verlegten sich viele Ritter zuerst aufs Schuldenmachen und dann, wenn ihnen kein Kredit mehr gewährt wurde, auf das Berauben und Schinden von Bauersleuten und Kauffahrern.
Fehde und Raubritterunwesen wurden durch verschiedene ®Landfrieden bekämpft und gegen Ende des MA., nicht zuletzt durch das Aufkommen mauerbrechender Artillerie, endgültig beseitigt. Wo einer der verhassten Friedensbrecher dingfest gemacht und gemeiner Verbrechen (poes ding, poshait) überführt werden konnte, wurde er auf besonders grausame und ehrlose Weise hingerichtet.
Über die Beute, die Allgäuer Schnapphähne im 15. Jh. von Kaufleuten nahmen, schreibt F. Großhauser (zit. nach W. Protzner / K. Guth): "So wagte der Schenk von Weinsberg 1427 die gen Frankfurt auf die Messe ziehenden Memminger Kaufleute niederzuwerfen und ihnen Waren im Wert von 20.000 Goldgulden wegzunehmen. Schlimmer noch war die Tat Heinrichs von Stoffeln, der 1432 zwischen Kempten und Memmingen 7 Wagen Venetianischer Kaufherren auf offener Landstraße räuberisch wegnahm .... 1455 warfen die verbündeten Freiberger und Schwangauer Edelleute bei Füssen 13 aus Italien kommende, mit köstlichem Zeuge beladene Kaufmannswagen nieder ..."
(s. Eppelein von Gailingen, Fehde, Fehderitter, Geleit(srecht), Raub, Wegelagerei; Gottesfriede, Landfrieden, Treuga Dei)