Scholastik

Aus Mittelalter-Lexikon
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Scholastik (v. mlat. scholasticus = zur Schule gehörig, Schultheologie; der Begriff entstammt dem späten 18. Jh. und steht für die christl. Philosophie des MA. insgesamt). Mit dem Rüstzeug der grch. Philosophie arbeitendes ma. Denksystem zur verstandesmäßigen Durchdringung des Glaubens, zur Synthese von Glauben und Vernunft. Die Scholastik war während ihrer Frühzeit von neuplatonischem Denken, vom Ende des 12. Jh. an vom Aristotelismus und seinen arabischen und jüdischen Epigonen geprägt. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die gesamte Wahrheit in der Heiligen Schrift und in der patristischen Literatur enthalten und mit philosophischen Methoden begründbar sei. Die Scholastik versuchte demnach das, was geglaubt werden sollte, auf der Grundlage des Glaubens rational einsichtig zu machen ("fides praecedit intellectum", "fides quaerens intellectum"). Als grundlegende Schriften außer der Bibel galten die Werke des ®Boethius, die "Summa Sententiarum" des ®Petrus Lombardus und die "Historia Scholastica" des ®Petrus Comestor. Außer Theologie und Philosophie umfasste das scholastische System auch die schulmäßig betriebenen Wissenschaften des Rechts und der Medizin.
Die scholastische Methode besteht in: klarer Formulierung einer Frage (quaestio), genauer Bergriffsdefinierung (distinctio), logischer Beweisführung und dialektischer Disputation. Sie schulte den westeuropäischen Intellekt während des gesamten MA. im Sinne geordneten, disziplinierten Denkens und bereitete damit die Grundlagen für den späteren Aufschwung der rationalen Wissenschaften. Man unterscheidet:
1.)®Vorscholastik (8./10. Jh., charakterisiert durch exzerpierende und kompilatorisch-enzyklopädische Arbeiten)
2.)®Frühscholastik (1. Hälfte 11. Jh. - Ende 12. Jh.; geprägt von platonisch – neuplatonischem Gedankengut)
3.)®Hochscholastik (etwa 1200 - um 1350; beherrscht von den Lehren des Aristoteles)
4.)®Spätscholastik (14./15.Jh. ; gekennzeichnet durch skeptischen Empirismus und Unterscheidung von Glauben und Wissen, durch Trennung von Religion und Theologie auf der einen, von Philosophie und Naturwissenschaften auf der anderen Seite).
(s. Dialektik, Disputatio, Distinctio, Konsilium, Logik, Quaestio, sic et non, Typologie)