Laster

Aus Mittelalter-Lexikon
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Laster (mhd. laster, ahd. lastar = Schmach, Fehler; lat. vitium, turpitudo). Habituell gewordene sittlich-moralische Fehlhaltungen des Menschen, die zur Sünde, äußerstenfalls zur unverzeihlichen Todsünde (Mord, Glaubensabfall, Ehebruch) führen. Die von den Kirchenvätern aufgestellte Lehre von den Kardinallastern war ähnlich schon in der Antike bekannt. Ägyptische Mönche des FMA. kannten acht Laster (grch. logismoi, lat. vitia) als Ursprung aller Sündhaftigkeit: Eitelkeit, Faulheit, Geiz, Hochmut, Traurigkeit, Völlerei, Wollust, Zorn. Die fma. Oktade von Sünden war Grundlage für spätere Lasterkataloge und Bußbücher. Vielfach wurden sieben Kardinallaster (vitia cardinalia) genannt: Hochmut (superbia), Müßiggang (accidia), Unkeuschheit (luxuria), Zorn (ira), Unmäßigkeit (gula), Neid (invidia) und Geiz (avaritia). Als weitere Laster kannte man: Verzweiflung (desperatio), Zwietracht (discordia), Götzendienst (idolatria), Unglaube (infidelitas), Unduldsamkeit (intolerantia), Feigheit (ignavia), Unbeständigkeit (inconstantia), Ungerechtigkeit (iniustia) und Eitelkeit (vanitas). Der ital. Dichter Dante Alighieri führt sieben Laster (Todsünden) an: Stolz oder Eitelkeit; Neid oder Eifersucht; Zorn oder Wut sowie Gefühle von Hass, Rachedurst und Boshaftigkeit; Faulheit, Müßiggang und Verschwendung; Geiz (Habgier, Habsucht); Völlerei (unmäßiges Essen und Trinken); Wollust (übermäßiges sexuelles Verlangen).
Die positiven Entsprechungen der Laster sind die ®Tugenden.
Im MA. waren die personifizierten Laster ein beliebtes Thema der bildenden Kunst. Jedem der Laster entsprachen gleichnishafte Bilder und Attribute. Die Unkeuschheit beispielsweise ist in der Vorhalle des Freiburger Münsters dargestellt als nackte Frau mit Spiegel, an deren Brüsten und Schoß Schlangen und Kröten liegen. Angetan ist sie mit einem Bocksfell als Hinweis auf ihren teuflischen Buhlen. Die Unbeständigkeit erscheint als ein dem Kloster entfliehender Mönch oder als eine schwankende Frauengestalt auf einer rollenden Kugel. Attributives Tier ist häufig der Affe, als Reittier dient der Esel.
Auf die sieben Hauptlaster ist das einprägsame ma. Akronym SALIGIA bezogen:
Superbia - Hochmut (Hoffart, Eitelkeit, Stolz, Übermut)
Avaritia - Geiz (Habgier, Habsucht)
Luxuria - Wollust (Unkeuschheit)
Ira - Zorn (Wut, Vergeltung, Rachsucht)
Gula - Völlerei (Gefräßigkeit, Trunksucht, Unmäßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht)
Invidia - Neid (Missgunst, Eifersucht)
Acedia - Trägheit des Herzens / des Geistes (Überdruss, Melancholie)

(s. Eifersucht, Eitelkeit, Hass, Hoffart, Luxus (s. Luxusordnungen), Mord, Rache, Unglaube, Unkeuschheit (s. Keuschheit, Sexualität), Unzucht, Verzweiflung (s. Selbstmord), Trunkenheit, Zweifel, Völlerei; Guilelmus Peraldus)